Vier Fäuste für ein Gastro-Wunder: Wie die Elaine’s World-Macher Frankfurt rocken

Guy L. Lamaye und Luel Mulugeta sind nicht nur beste Freunde, sondern auch die Masterminds hinter Elaine’s World. Wie sie ihr Unternehmen trotz Corona zur trendigsten Gastro-Marke Frankfurts führten und damit Zweifler eines ­Besseren belehrten.
Februar 29, 2024 | Text: Nikolaus Zoltan | Fotos: Felix Werinos, Elaine’s World

Ein gutes Restaurant sollte ohne eine Bedienungsanleitung auskommen. Das sieht man auch in Elaine’s Restaurant so, und trotzdem findet man dort ein nettes How-to in der Speisekarte: „Mach dir eine gute Zeit – und viele Bilder“, heißt es dort etwa.

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Luel Mulugeta und Guy L. Lamaye scheuen sich nicht vor Herausforderungen, wie sie mit der Gründung ihrer aufstrebenden Gastronomie-Gruppe bewiesen haben

Ein gutes Restaurant sollte ohne eine Bedienungsanleitung auskommen. Das sieht man auch in Elaine’s Restaurant so, und trotzdem findet man dort ein nettes How-to in der Speisekarte: „Mach dir eine gute Zeit – und viele Bilder“, heißt es dort etwa.

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Luel Mulugeta und Guy L. Lamaye scheuen sich nicht vor Herausforderungen, wie sie mit der Gründung ihrer aufstrebenden Gastronomie-Gruppe bewiesen haben

Und Instagram-tauglich ist die Location im Frankfurter The Flag West M.-Hotel auf jeden Fall, genauso wie die sechs weiteren Standorte der Elaine’s World, die in den letzten Jahren die Herzen der ganzen Stadt – und die Feeds der Influencer erobert haben.

Die Zahlen sprechen für sich: 76 Angestellte beschäftigt die Gastro-Gruppe, mehr als 300 stark besuchte Events hat man bereits aus dem Boden gestampft. Und allgegenwärtig in diesem Kosmos ist Elaine. Eine sympathische junge Frau mit Dutt und runder Brille, die von T-Shirts zwinkert, lächelnd die Wände ziert und sogar auf Weingläsern prangt.

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Allein, Elaine gibt es gar nicht. Sie ist eine Kunstfigur. Die eigentlichen Helden der Geschichte heißen vielmehr Guy L. Lamaye und Luel Mulugeta. Sie haben nicht nur Elaine in gewisser Weise geboren, sondern vor allem das Unternehmen trotz Corona-Krise zu seiner heutigen Strahlkraft geführt. Aber alles der Reihe nach.

Zwei wie Pech und Schwefel

Begonnen hat die Freundschaft zwischen Guy und Luel bereits zu Schulzeiten – infolge verliefen ihre Leben nahezu parallel: Beide begannen das BWL-Studium in Köln, jobbten nebenbei in der Gastronomie, teilten sich eine Wohnung. Beide beschlossen, das Studium abzubrechen und mit ihrem Ersparten eine Firma zu gründen.

„Wir sind auf einer Seite sehr verschieden“, sagt Guy dennoch, um sogleich nachzusetzen: „auf der anderen Seite aber halt auch sehr ähnlich“. Unterm Strich aber weiß einfach der jeweils andere, wie das Gegenüber tickt – das hilft bei Reibereien und Meinungsunterschieden.

„Man muss neben einer großen Vision ein etwas kleineres Ego haben.“

Ein zwischenmenschliches Fundament, das die besten Voraussetzungen für unternehmerischen Erfolg bietet. Vor allem dann, wenn die Dinge nicht so laufen wie erhofft – weiß das Duo heute nur zu gut. Long story short: Die zwei gründeten einen Lieferdienst für Back- und Süßwaren. Alles lief wie am Schnürchen – bis einer ihrer größten Abnehmer, das Café Elaine im Taunusturm, im Jahr 2016 plötzlich schloss.

Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, witterten die damals erst 25-Jährigen eine lebensverändernde Gelegenheit: „Weil wir während der Uni selbst in der Gastronomie gearbeitet hatten, wussten wir, welche Chancen und Risiken die Branche mit sich bringt – aber auch wie viel Spaß es uns bereitet, Gastgeber zu sein. Also haben wir gesagt: ,Okay, lasst uns doch für genau diesen Laden pitchen.‘“

Ihre Idee: Eine urbane Ganztagsbar mit Frühstück, Lunch und Aperó. Den Namen adaptierten sie vom Vorgängerlokal, das nach der New Yorker Künstlerin Elaine Sturtevant benannt war. Sie bekamen den Zuschlag, Elaine’s Deli war geboren; und gleichzeitig auch die Version von Elaine, die heute das Gesicht der Marke ist.

… und dann der Lockdown

Die Entwicklung von der einen Elaine zur heutigen Elaine’s- World mit sieben Outlets im Boutique-Charakter stand damals allerdings nicht auf dem Reißbrett, war keineswegs geplant. „Vermehrt kamen dann aber Projektentwickler und Immobilieneigentümer auf uns zu“, erinnert sich Luel. So auch die Betreiberfamilie der The Flag-Group. „Sie erzählten uns von einem spannenden Businesshotel im Frankfurter Westend und fanden in uns wohl einen geeigneten Partner.“ sagt Luel.

Umgekehrt wurden aber auch Unkenrufe laut: „Wenn man in der Hospitality arbeitet, hört man oft: Mach niemals ein Restaurant auf, da musst du dich nur mit eigenwilligen Köchen, verrückten Wareneinsätzen, dem ganzen Drumherum abmühen. Mach Kaffee, Kuchen, Suppen und das Wesentliche – fertig.“

Trotzdem: „Der Gedanke an ein eigenes Restaurant war dann schon sehr romantisch.“  Also wagte man den nächsten großen Schritt: 2019 wurden die Mietverträge verhandelt, 2020 unterschrieben, im selben Jahr sollte eröffnet werden.

„So eine Reise legst du halt nicht alleine hin.“

„Wir konnten nicht wissen, dass ab März 2020 die Welt stehenbleibt. Für zweieinhalb Jahre. Wir dachten damals noch, okay, es ist im Mai bestimmt vorbei. Doch was dann passiert ist, wissen wir alle.“ Aber die Junggastronomen fanden sich an einem Punkt ohne Wiederkehr: Schwimmen oder untergehen, hieß es.

Sie entschieden sich fürs Schwimmen. Und das Ergebnis ist ein bunter Mix unterschiedlicher Konzepte an unterschiedlichen Standorten – basierend auf einer von außen fast schon bedrohlich anmutenden Art, bis zur Selbstaufgabe zu arbeiten. Freizeit? Fremdwort.

Gastronomische Alleskönner

Das eingangs erwähnte Elaine’s Restaurant, ein selbstbewusstes, zeitgemäßes Restaurant mit gehobenem kulinarischen Anstrich aus der Feder von Küchendirektor Mario Schmehl, eröffnete im Sommer 2020.

Im selben Haus trägt das „Elaine’s Livingroom“ (ehemals „3015“), ein Raum, der täglich von Coffeebar zu Nightbar übergeht, die unverwechselbare Elaine’s-Handschrift. Dazu gesellten sich mit der Zeit, und trotz aller widrigen Umstände, weitere Standorte: das (nicht nur architektonisch) eindrucksvolle Elaine’s Greenhouse, der gemütliche Elaine’s Room in der Neckarstraße sowie der auffällig pinke Takeout-Laden Elaine’s Takeaway. Und das ist noch nicht alles: Es gibt auch eine elegante Location, die gleichzeitig Day Bar und Nightclub ist – den einzigen Standort der Elaine’s World, der namentlich aus der Reihe tanzt: You, Me & The Benjamins. Letzteres wurde seit Dezember umgebaut und wird mit dem baldigen Soft-Opening den Namen „Holy Circle“ tragen.

Die gemeinsame Vision zählt

Bei all der Vielfalt innerhalb der Elaine’s World fragt man sich, wie zwei Menschen an der Spitze all diese Konzepte unter einen Hut bringen: Von Frühstückslocation bis Nightclub, von Deli bis Fine Dining, von Events bis zur eigenen Hafermilch-Marke „Moelk“. Guy L. Lamayes Antwort kommt schnell: „Was niemals vergessen werden darf, ist, dass hinter all dem ein sehr tolles Team steckt. So eine Reise legst du nicht alleine hin. Letzten Endes bringt dir die beste Vision nichts, wenn du kein Team hast, das sie mit dir teilt.“

Kommunikation auf Augenhöhe ist der Schlüssel: Sowohl mit dem Team als auch zwischen den Führungskräften – auch wenn man nicht immer derselben Meinung ist. „Man muss sich darauf besinnen, was die beste Entscheidung für die gesamte Company ist. Da ist es auch wichtig, neben einer großen Vision ein etwas kleineres Ego zu haben.“

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Teamwork ist alles: Die Gründer Guy L. Lamaye und Luel Mulugeta hier mit ihren Mitstreitern Noah Hagos und Joe Pelu Manzambi

Zudem bewahren sich Guy und Luel die Nähe zum Team, indem sie täglich jeden ihrer Standorte zumindest einmal besuchen, und das an 365 Tagen im Jahr. „Unser Team weiß ganz genau, dass wir niemals damit aufgehört haben, nicht selbst für unsere Interpretation des Gastgebertums einzustehen.“ Man dürfe sich nicht zu schade für etwas sein und trotz vieler Veränderungen immer vor Augen haben, wo alles begann, so die Devise für gutes Teamwork.

Ob das noch funktioniert, wenn die fabelhafte Welt der Elaine noch größer wird? Jedenfalls ist eine derart rapide Expansion, wie sie seit Covid stattgefunden hat, erst einmal nicht vorgesehen. Im Fokus stehe jetzt, zu konsolidieren.

In der Antwort Luels schwingt aber schon wieder Tatendrang mit: „Genauso wie wir uns 2016 nicht vorstellen konnten, heute so viele Standorte zu betreiben, können wir es uns heute nicht vorstellen, nicht zu wachsen. Irgendwo sagt der innere Antrieb schon: Ok, alles klar.“

Elaine’s World

Die von den Gastro-Quereinsteigern Guy L. Lamaye und Luel Mulugeta gegründete Gastronomie-Gruppe Elaine’s World begann mit einem kreativen Konzept für ein urbanes Deli, das schnell zu einer Reihe von abwechslungsreichen Lokalitäten wuchs – und das zum Teil ausgerechnet während der Coronakrise. Heute umfasst Elaine’s World sieben Standorte in Frankfurt am Main, darunter stilvolle Bars, gemütliche Cafés, ein Take-out-Konzept und ein gehobenes Restaurant.

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Änderung: In der ersten Version des Artikels wurde Luo Hahn als Küchenchef des Elaine’s Restaurant genannt. Seit Sommer vergangenen Jahres hat Mario Schmehl die Position des Küchendirektors inne.

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